Die Kemble-Story

Wussten Sie, dass Kemble der Erfinder des Silent Piano ist? Tatsächlich haben die Engländer diese zeitgemäße Form des Pianos entwickelt. Yamaha wurde darauf aufmerksam und ging mit Kemble eine produktive Partnerschaft ein. Bei Kemble wurden bis vor wenigen Jahren der Großteil der für den europäischen Markt bestimmten Klaviere von Yamaha hergestellt.

Die Kooperation funktionierte solange, bis der weltweite Klavierumsatz soweit zurückging, dass Yamaha nach Möglichkeiten suchte, die eigene Produktion auszulasten. Daher wurde die Produktion von Kemble weg in die eigenen Fabriken integriert. Die Fabriken von Kemble in England wurden geschlossen und der Chef, Brian Kemble, zum Geschäftsführer von Bösendorfer befördert. Es mag für Sie möglicherweise verwirrend sein. Aber die großen Namen der Klavierszene scheinen so groß nicht zu sein, wie wir es annehmen. Bösendorfer sollte 2007 verkauft werden. Als Käufer standen ein Interessent aus China und Yamaha zur Wahl. Die Österreicher entschieden sich für den japanischen Konzern. Nur wenige Jahre später verkaufte sich Bechstein an einen Immobilienmakler und deren Lieblingskonkurrent Steinway ging beim Stechen der Bieter nicht wie erwartet an den koreanischen Konzern Samick, sondern an einen Hedgefonds-Manager namens Paulson.

Und wie geht es Kemble? Kemble wurde in die indonesische Produktion von Yamaha integriert. Indonesien? Dort werden Klaviere gebaut? Ja, Indonesien ist eines der Billiglohnländer. Führt das nicht zu einem Verlust an Qualität? Das kommt auf das Management an. Koreanische Firmen sind in Indonesien qualitativ nicht annähernd so erfolgreich wie das japanische Management von Yamaha. Die Instrumente der Marke Kemble aus Indonesien sind genauso gut wie die Yamaha-Klaviere aus dieser Region. Yamaha produziert nämlich sowohl in Japan als auch in Indonesien Klaviere. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Pianos unter dem Management von Yamaha aus Indonesien sind

  • gut zu stimmen,
  • haben einen angenehmen und ausgeglichenen Pianoklang,
  • verfügen über eine gute Spielart und
  • sind preisgünstig.

Letzteres ist nicht immer gegeben, da der regionale Endpreis vom Verkäufer als dem letzten Glied in der Kette abhängt. Im Vergleich zu den teils bereits überteuerten Klavieren aus China bekommen Sie für Ihr Geld bei den Klavieren von Yamaha und Kemble eine wirklich gute Leistung.

Aber lassen Sie uns noch kurz einen Blick darauf werfen, warum die Klaviere von Kemble ausgerechnet aus Indonesien besser sind als die Instrumente aus England:

  • Die bessere Stimmbarkeit hängt zum einen mit dem Holz des Stimmstocks zusammen. Die Indonesier verwenden eine Holzart, die einen weicheren Wirbelgang erlaubt. Über die Bewegungen der Stimmnägel, die man auch Wirbel nennt, lässt sich die Spannung der Saite präziser einstimmen und vor allem das Netzwerk der komplexen Kräfte bestehend
    • zum einen aus dem Faktor der Saitenspannung, die sich wiederum zusammensetzt aus der Zugkraft der Saite und dem nicht offensichtlichen Resonanzbodendruck, sowie
    • zum anderen der Festigkeit der Verankerung des Stimmnagels in der Bohrung im hölzernen Stimmstocks
    feiner abstimmen, was sich letztendlich darin ausdrückt, dass die Stimmhaltung dauerhafter ist.
  • Die bessere Stimmbarkeit ist darüber hinaus vom Saitenmaterial abhängig. Da die Kemble-Klaviere nun in Indonesien hergestellt werden, bekommen sie auch die bei Yamaha in Japan und Indonesien längst üblichen da qualitativ hochwertigeren Pure-Sound-Saiten. Diese Saiten haben kaum Nebenschwebungen, die bei den hauptsächlich in Europa verwendeten Saiten Standard sind. Nebenschwebungen erschweren die erreichbare Präzision der Stimmung bzw. machen diese im Extremfall unmöglich.
  • Der bessere Klang hängt zum einen mit der genaueren Verarbeitung der zueinander gehörenden Teile zusammen. Das heißt konkret, die Klaviermechaniken sind sauberer auf die Saiten der einzelnen Töne ausgerichtet. Hier gab es bei den aus England stammenden Klavieren Schwächen, die die Hauptursache für den teils schärferen und näselnden Klang vor allem in der Mittellage waren.
  • Der bessere Klang ist grundsätzlich abhängig von der Qualität des Filzes über den hölzernen Klavierhämmern. Auch hier scheint es einen Fortschritt gegeben zu haben. Denn bei dem von mir gestimmten Klavier fällt auf, dass die Töne in der obersten Oktave nicht wie üblich knallen und scheppern, sondern noch wohlklingende Töne erzeugen. Das ist umso bemerkenswerter, da dieses Klavier mit einer Höhe von 113 cm einen relativ kleinen Klangkörper hat. Je kleiner der Klangkörper, desto näher ist aber der Anschlagspunkt der Klavierhämmer in der obersten Oktave am Rand der klingenden Saitenlänge. Die Nähe des Anschlagspunktes zum Rand der klingenden Saitenlänge, die geringe Dicke des Filzes über dem hölzernen Hammerkern sowie die relative Kürze der schwingenden Saiten in der höchsten Oktave sind die Erklärung dafür, warum es für die Klavierbauer traditionell schwierig ist, in diesem Bereich ein Klangmuster zu erzeugen, dem unsere Ohren die Qualität eines guten Tons zugestehen.

Aus europäischer Sicht ist es aufgrund unserer kulturellen Kernkompetenz im Klavierbau beschämend, dass sich ausgerechnet die von uns gerade noch mit kritischen Fragen zur Qualität abschätzig beurteilten Indonesier um dieses qualitative Detail bemüht habe. Es bestätigt meine Bewertung des offensichtlich positiven Umgangs der Japaner mit den Gegebenheiten in Indonesien. Das Nicht-Bemühen der Engländer war somit schlicht eine verpasste Gelegenheit. Dieses Beispiel zeigt auf, was sich kulturell in der Welt gerade dramatisch verändert, und wir uns wissentlich gegen diese klar erkennbare Tendenz nicht wehren. Kultur zu besitzen, bedeutet Wurzeln zu haben. Wenn Kultur in Schulen sowie die Unterstützung des Kulturbetriebs durch Zuschüsse abgebaut werden, dann ist das im Klartext ein Angriff auf die eigene Lebensgrundlage. Dahinter steht das seltsam anmutende Bemühen der verantwortlichen Volksvertreter, dem eigenen Volk die Wurzeln zu rauben. Die so Entwurzelten finden sich alle gemeinsam wieder im Hamsterrad des darwinistischen Wettbewerbs sowie in den Wartezimmern der hoch bezahlten Spezialisten für psycho-somatische Krankheiten, die uns keine wirkliche Heilung verkaufen können, da sie ansonsten Politiker wären. Diese gesellschaftliche Schieflage ist gleichzeitig die große Chance für die Musiktherapie. Aber die aktive Musiktherapie setzt voraus, dass man den persönlichen Schattensprung (= der Sprung über den eigenen Schatten) realisiert, Musik von Leistung zu trennen!

Sie finden hier das Hörbeispiel eines Kemble-Klaviers aus Indonesien, Modell 113, zuletzt gestimmt vom Verkäufer aus Bayreuth. Der Verkäufer sollte sich genau genommen bei jedem Service mit großer Freude um das maximale Ergebnis und somit eine Bestätigung der Kaufentscheidung der stolzen Klavierbesitzer bemühen. Dafür ist das Klavier meiner Ansicht nach aber ziemlich stark verstimmt. Interessant ist an der Stelle, dass der 12-jährige Klavierspieler zu dem gleichen Urteil kam, der den Unterricht einer ausgezeichneten Klavierlehrerin genießt und in seiner musikalischen Entwicklung von seinen Eltern durch den Kauf eines neuen Klaviers unterstützt wird. Die Grundlage für seine schlechte Bewertung zog der junge Mann aus der Tatsache, dass er auch noch Klarinette spielt. Das zeigt wieder einmal, dass das Gehör von Sängern, Streichern und Bläsern weitaus intensiver geschult wird als bei Klavierspielern. Die genannten Gruppen von Musikern verfügen an ihren Instrumenten nämlich über die Möglichkeit, die Tonhöhen mehr oder weniger anzupassen. Diese Besonderheit nennt man Intonation. Die Intonation stellt aus der Sicht des Musikers einen besonderen Mehrwert da, wenn es darum geht, das höchste Ziel der Musik zu realisieren, nämlich die Musik als Sprache der Gefühle zu verwenden. Vergleichen Sie ruhig die Ausgangsstimmung mit der Endstimmung der Kategorie praeludio gestimmt!

Verkäufer-Verstimmung Kemble praeludio gestimmt

Veröffentlicht: 10.01.2015

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