Traummusik

Was macht einen Pianisten erfolgreich?

Hochleistung am Pianoforte

Pianisten sind etwas ganz Besonderes. Sie sind nicht nur Musiker sondern Künstler. Kunst stammt ja vom Können ab. Sowohl die technische Perfektion des Spieltechnik als auch die Gedächtnisleistung dieser Menschen ist schier unglaublich. Sie transportieren das Kulturgut der in den vergangenen 300 Jahren von den großen musikalischen Genies kreierten klassischen Musik in die Gegenwart des Live-Events. Daher verdienen sie zu recht unsere größte Bewunderung und höchste Anerkennung.

Bewunderung und Anerkennung empfinden Pianisten sicher als ganz nett. Aber sie suchen den Erfolg. Wie wir alle wollen auch Pianisten mehr: Sie wollen begehrt sein. Doch was macht heute einen Pianisten eigentlich erfolgreich und somit begehrenswert?

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Talentförderung, wie sie überall immer wieder geschieht

Ein Chinese erobert den Konzertsaal

Bestimmt kennen Sie einige Pianisten. Sie haben schon von dem chinesischen Vorzeige-Pianisten Lang Lang gehört, der sich mit 5 Jahren entschieden hat, das Klavier spielen lernen zu wollen, nachdem ihm der Vater bereits mit 2 Jahren ein Klavier geschenkt hatte. So berichtet Lang Lang in Interviews von seiner Kindheit. Lang Lang kann man häufig im Fernsehen sehen. Dazu wird nebenbei mehr oder weniger dezent der Name des Flügelherstellers eingeblendet: Steinway. Das war bis vor kurzem schon ein bemerkenswerter Erfolg, wenn ein Pianist aus China zum Werbeträger für den amerikanischen Premiumhersteller Steinway wird. Denn bis vor relativ kurzer Zeit war das Piano für China kein allzu weit verbreitetes Instrument. Dass es in China inzwischen bereits über 50 Millionen Klavier spielender Menschen geben soll, zeigt die offensichtlich nicht vorhersagbare Dynamik der Entwicklung in diesem Land. Die Vermutung, dass es im so genannten Reich der Mitte noch einen offenen Markt von rund 30 Millionen am Klavierspiel interessierten potenziellen Kunden geben soll, lässt verstehen, warum dieser Markt für die Klavierhersteller aus der ganzen Welt existenziell von Bedeutung ist.

Tatsächlich ist diese Partnerschaft ein genialer Deal von Steinway. Denn Lang Lang öffnet dem exklusiven Klavierbauer aus USA die Türen zu einem Riesenmarkt in China. Das gelingt nur mit einer regionalen Identifikationsfigur.

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Beispiel einer zeitgemäßen Karriere

Die erste Youtube-Klassik-Pianistin

Haben Sie auch schon von der Pianistin Valentina Lisitsa gehört? Ja? Dann wissen Sie vermutlich bereits, dass die ursprünglich aus der Ukraine stammende Pianistin bei Youtube mehr als 50 Millionen Klicks für ihre dort veröffentlichten Klassikvideos erhalten hat. Lisitsa ist mangels wirtschaftlicher Zukunft in ihrem Land zusammen mit ihrem Ehemann in die USA ausgewandert. Aber dort fand sie auch kein Publikum, das auf sie gewartet hätte. Daher kam sie eines Tages auf die Idee, kostenlos immer wieder Videos bei Youtube zu veröffentlichen. Inzwischen soll sie auf diesem Videoportal über 600 Videos haben, die ihr massenweise Views und somit Klicks einbrachten, die wiederum zuerst die Musikindustrie und dann die Konzertveranstalter auf sie aufmerksam werden ließen. Dabei machte Lisitsa die interessante Beobachtung, dass ein Großteil der Betrachter ihrer Videos nicht aus den gebildeten Industrienationen sondern aus Entwicklungsländern kommen. So entstand die Idee, auf diesem Weg für die klassische Musik zu werben. Damit stieg sie von der Pianistin auf zur selbst ernannten Botschafterin für die Klassik als Kulturgut. Über diesen Umweg ist Lisitsa dort angekommen, wo sie hinwollte, nämlich auf den großen Bühnen dieser Welt. So lautete schließlich eine Schlagzeile, dass sie sich über Youtube in die Royal Albert Hall in London hätte voten lassen. Die von ihr bevorzugte Flügelmarke ist übrigens Bösendorfer:

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Nur wenige realisieren Wendepunkte in ihrem Leben

Ein Aussteiger macht Karriere

Doch in letzter Zeit begegnet mir immer häufiger ein neuer Name: Ludovico Einaudi. Einaudi ist nicht nur ein klassischer Pianist, sondern er wurde an den Musikhochschulen bereits als Nachfolger des legendären Stockhausen gesehen. Ein scheinbar unbedeutendes Erlebnis hat ihn dazu bewogen, aus seiner vorgezeichneten Karriere auszusteigen. Er begann Musik zu machen, und zwar Musik, die wirkt. Sein Schlüsselerlebnis bestand darin, dass er eine kompositorisch unbedeutende Sequenz innerhalb einer seiner damals nach strengen Regeln konstruierten Kompositionen als wirkungsvoll empfunden hat, und er sich anschließend auf den Weg gemacht hat, dieser Empfindung nachzuspüren.

Heute verkauft Ludovico Einaudi nicht nur viele CDs, mit denen er bis vor kurzem gleich mit 3 Alben unter den TOP 20 der Klassik zu finden war. Einaudi spielt auf den gleichen großen Bühnen wie die zuvor genannten rein klassischen Pianisten und er kann gefüllte Konzerthallen sowie einen dicht gedrängten Terminkalender vorweisen. Im Youtube-Ranking liegt er mit von mir oberflächlich ermittelten mindestens 37 Millionen Klicks gut im Rennen. Aber bei Facebook zeigt sich der Unterschied:

  • Lang Lang versammelte um sich 124.000 Freunde,
  • Valentina Lisitsa 44.000,
  • aber Ludovico Einaudi bringt es auf weit über 400.000 Freunde!

Wie kann das sein?

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Eroberung eines für Pianisten unüblichen Marktsegments

Kein Pianist sondern ein Komponist

Ludovico Einaudi ist im Prinzip seinem Werdegang treu geblieben. Denn er war weniger ein Pianist als ein Komponist. In dem Zusammenhang hatte er seine ersten Erfolge mit der Filmmusik. So erklärt sich, warum in seinen Musikvideos häufig musikferne Bildelemente auftauchen. Die Musik, die Einaudi heute spielt, hat er selbst komponiert und inszeniert. Das ist ein wesentlicher Unterschied und somit aus der Sicht des Marketings ein Baustein des Erfolgs, denn wir brauchen Unterschiede, um etwas eindeutig identifizieren zu können. Erst durch die klare Unterscheidbarkeit wird ein Produkt zur Marke.

Ein sehr interessantes Ergebnis ist in dem Zusammenhang ein Konzert, indem sich Einaudi traut, akustische und elektronische Elemente zu mischen. Nein, das ist keine Premiere. Aber er ermöglicht uns etwas zu hören, dass ich in Verbindung mit meiner Vision eines Hybrid-Pianos formuliert habe, nämlich die neuen Klangdimensionen, die durch die Mischung dieser beiden Klangcharaktere möglich werden. Sie können das anhand des Videos seines Konzerts in der Royal Albert Hall 2010 selbst hören:

Der italienische Pianist Einaudi kann sich also in mehreren Kategorien mit seinen klassisch orientierten Kollegen messen lassen: Seine Konzerte verkaufen sich ebenso wie seine CDs sehr gut. Aber darüber hinaus hat er sich selbst eine weitere Geschäfts-Kategorie eröffnet, in der die klassischen Pianisten traditionell keinen Platz haben, nämlich bei den Klaviernoten. Da er ja seine Stücke selbst komponiert, kann man sich diese Werke nicht nur anhören, sondern auch selber spielen. Und so begegnet mir beim Klavierservice der Name Einaudi immer häufiger in Form von Noten auf den zu stimmenden Klavieren sowie im Gespräch mit Klavierlehrern. Was begründet diesen umfassenden Erfolg?

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Resonanzen auslösen setzt voraus, Bedürfnisse empathisch zu antizipieren

Ist Erfolg ein Resonanzphänomen?

Einaudi komponiert und spielt Musik, die wirkt. Natürlich kann man jetzt einwerfen, dass andere Musik ebenso wirkungsvoll ist. Das stimmt schon. Die Musik Einaudis ist zwar klassisch inspiriert, aber im Gegensatz zu vielen Werken der Klassik eher schlicht. Damit erhalten diese Kompositionen zum einen ihren Stellenwert im Klavierunterricht sowie ihren Reiz für Klavierspieler. Zum anderen ermöglicht Einaudis Musik, dass wir zu träumen beginnen. Das scheint die Sehnsucht offensichtlich ziemlich vieler Menschen zu sein. Denn seine Musik löst bei den Zuhörern und Klavierspielern eine Resonanz aus. Die Tatsache, dass sich so viele Käufer der unterschiedlichsten Produkte des Musikers Einaudi die Erfüllung ihrer Bedürfnisse versprechen, ist gleichzeitig ein Hinweis darauf, dass die Produkte der Mitbewerber auf diesem umkämpften Markt offensichtlich diese Leistung nicht in dem gleichen Maß erbringen. Das Auslösen von Resonanzen aufgrund bereits vorhandener Bedürfnisse ist ein Muster, das der Psychologe Professor Dr. Peter Kruse als den Schlüssel für erfolgreiche Geschäfte bezeichnet. Peter Kruse führt heute übrigens eine eigene und ganz besonders bemerkenswerte Unternehmensberatung mit dem Namen nextpractice:

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